Florian Lierzer

 

Wir leben in völliger Entscheidungsfreiheit und doch unterwerfen wir uns dem Zwang der gesellschaftlichen Erwartungen. Der Drang nach immer mehr, nach immer bequemer, nach immer luxuriöser wird zum Lebensinhalt. Schneller, schöner, perfekter wird uns als erstrebenswert untergejubelt.
Das Leben wird zu einem Wettkampf - es stellt sich die Frage, wer es schafft, er selbst zu bleiben?

Selbstmord ist unserer Gesellschaft nicht fremd. Ereignisse, Auslöser und Gefühlswelten, die ihm vorausgehen, kennen wir jedoch nicht. Wie kommt es dazu, dass das Leben einen Menschen so zerfrisst, dass es anscheinend keinen anderen Ausweg mehr gibt als den Freitod?
Mir geht es bei Selbstmord nicht um die Vergegenwärtigung des Todes, sondern um den Moment, in dem man sich für das Leben entscheidet, um den Moment, in dem man durch diese Entscheidung seine Realität und sein Dasein verändert.

Mein Denkansatz für dieses Projekt beginnt bei dem Wissen, dass wir Entscheidungen treffen können. Der Entscheidung geht die Freiheit voraus diese auszuführen.
Um das Verständnis für “Freie - Willens - Entscheidungen” zu untermauern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, rufe ich in meinen Inszenierungen einen unangenehmen und furchteinflößenden, jedoch wirkungsvollen Gastdarsteller auf meine Bühne - er ist visuell nicht gegenwärtig, aber man kann seine Anwesenheit nicht leugnen - den Tod.

Ich präsentiere ein Bildnis, welches im ersten Moment negativ assoziiert wird, schaut man jedoch ein wenig genauer hin, so lassen sich aufgrund des undefinierten Ausgangs Geschichten erdenken. Ich fordere den Betrachter auf, seine Fantasie zu nützen und mit Ihr zu spielen.

 

 

 
“Eines Tages aber erhebt sich das “Warum”, und mit diesem Überdruss,
in den sich Erstaunen mischt, fängt alles an. “Fängt an” - das ist wichtig. Der Überdruss steht am Ende der Handlung eines mechanischen
Lebens, gleichzeitig leitet er aber eine Bewußtseinsregung ein. Er weckt das Bewusstsein und fordert den nächsten Schritt heraus. der nächste Schritt ist die unbewusste Rückkehr in Reih und Glied oder das endgültige Erwachen. Schließlich führt dieses Erwachen mit der Zeit zur Entscheidung: Selbstmord oder Wiederherstellung.”

(Zitat aus “Der Mythos des Sisyphus”, Albert Camus)